Donnerstag, 30. Januar 2014

Autofokus: Moritz Motte will es wissen (Martin Nygaard)




Abentheuer Verlag


Der Autor


Martin Joyce Nygaard ärgerte sich schon als Teenager über viele Jugendbücher, die seiner Meinung nach kein bisschen realistisch waren. Nur stereotype Jugendliche würden abgebildet werden. Erste Entwürfe zu seiner autobiografisch geprägten Jugendbuchtrilogie um Moritz Motte entwickelte er bereits mit 16 Jahren.


Autofokus


Moritz Holden Motte hat es wirklich nicht einfach. Als pubertierender Teenager will er cool sein, entdeckt sich selbst und die anderen und muss überall dabei sein. Es passiert, was passieren muss, es kommt zu jeder Menge Katastrophen. Er kommt an eine neue Schule, trifft neue Leute, lernt sogenannte Freunde kennen, hat einen besten Freund, dem er des öfteren übel mitspielt, mobbt, weil alle es tun, reist blöde Sprüche, weil alle es tun, schmeißt Partys, weil alle es tun. Damit bringt er nicht nur seine Eltern, sondern auch seine Lehrer tagtäglich auf die Palme. Der Weg zum Erwachsen sein ist weit und hart, das merkt auch Moritz früher oder später. Doch dann muss er feststellen, dass es kein Zurück mehr gibt.


Fazit


Ein interessantes Buch, welches nicht nur für Jugendliche spannend und teilweise sehr amüsant sein, sondern auch für Erwachsene, insbesondere Eltern, von Interesse sein dürften. Nicht, dass Moritz` Eltern besondere Rezepte für ihren Sohn hätten, es stellt sich jedoch heraus, dass scheinbar alle Eltern mit ähnlichen Problemen ihrer Schützlinge zu kämpfen haben. Denn Moritz ist nicht nur von seinen zwei Geschwistern genervt, sondern immer häufiger auch von seinem besten Freund Jonny, der im Rollstuhl sitzt. Immer Öfter lässt er sich zu banalen Sprüchen über ihn hinreisen. Die anderen finden es doch cool. Häufiger erwischt sich Moritz sogar selbst beim Spannen, ob das noch normal ist in seinem Alter? Er selbst ist sich darüber nicht so sicher. Teilweise gehen die Aktionen, die Moritz und seine Clique so reißen allerdings über das Maß hinaus, wie ich finde.


Als Figur ist Moritz spannend und interessant, ständig fallen ihm neue Dinge ein, die den Leser wiederum überraschen. Jonny ist ebenfalls ein feiner Kerl, der sich als echter Freund erweist, auch wenn er sich nicht alles von Moritz gefallen lässt. Mädchen, wie Barbie und teilweise auch Pia, werden eher flach und oberflächlich dargestellt, was aber auch an der Perspektive von Moritz liegen kann. Herrlich finde ich jedoch Katinka, die sofort aufs Ganze geh. Allerdings sieht es so aus, als würde Katinka Hilfe brauchen…


Mir gefiel das Cover und die äußerliche Gestaltung des Buches zudem sehr gut. Es ist bunt und ansprechend, dadurch fällt es schnell ins Auge. Auch die Innenseiten der Buchdeckel, auf welchen ein Stadtplan von Moritz Stadt abgebildet ist, sind sehr angenehm, da dort alle wichtigen und bedeutenden Orte für Moritz verzeichnet sind und man immer wieder nachschlagen kann.

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Dienstag, 28. Januar 2014

Meeresflüstern (Patricia Schröder)




Coppenrath Verlag


Die Autorin


Patricia Schröder wurde 1960 in der Wesermarsch geboren und wohnte in Düsseldorf. Nach dem Studium des Textildesigns arbeitete sie auch viele Jahre in diesem Beruf. Später zog sie jedoch mit ihrer Familie ans Meer zurück, denn die unglaubliche Ruhe und Weiter der nordfriesischen Kooglandschaft regt ihre Fantasie an und bringt sie zum Schreiben.


Meeresflüstern 


Als die 17jährige Elodie nach dem Tod ihres Vaters ihre Heimatstadt Lübeck verlässt, um zu ihrer Großtante nach Guernsey, auf eine Insel mitten in der Nordsee, zu ziehen, weiß sie noch nicht, was in diesem halben Jahr auf sie zukommen wird. Ausgerechnet sie, die seit Kind an unter einer Wasserphobie leidet. Gleich zu Beginn lernt sie die lebenslustige und offenherzige Ruby kennen, die sich ihr als echte Freundin erweist. Auch die anderen Jugendlichen der kleinen Clique nehmen sie herzlich auf. Leider wird ihre Ankunft schnell von einem tragischen Ereignis überschattet. Auf einmal häufen sich die Ereignisse, die sich niemand erklären kann. Seltsamerweise scheinen die vier neuen Jungs, die seit Kurzem auf der Insel sind, etwas damit zu tun zu haben. Noch begreift Elodie nicht, was die Geschehnisse mit ihr zu tun haben sollen, doch immer wieder wird sie von Träumen über einen wunderschönen Jungen, der aus dem Meer steigt, heimgesucht. Wie durch ein Wunder steht dieser Junge plötzlich tatsächlich vor ihr. Was geht hier nur vor? Doch dann scheinen die Ereignisse außer Kontrolle zu geraten…


Fazit


Ein spannendes, abenteuerliches und emotionales Buch, welches von der ersten Seite an fesselt. Elodie und Ruby sind unglaublich sympathisch und auch ihre Großtante Grace schließt man als Leser sofort ins Herz. Sina und Rafaela, beste Freundin und Mutter von Elodie, habe ich recht schnell aus den Augen verloren, auch wenn sie im Buch immer mal wieder auftauchen. Eine interessante Figur ist auch Chyril. Welche Rolle er für Elodie spielt, ist mir noch nicht ganz klar. Denn einerseits scheint er sie magisch anzuziehen, auf der anderen Seite stößt er sie immer wieder von sich. Als dann Gordeon auftaucht, scheint er seine starke Rolle als Figur zu verlieren. Asthon, der tourettekranke Freund von Ruby, ist ein herzensguter Mensch. Er macht sich ebenso Sorgen um Elodie wie Ruby und weiß sich trotz seiner Störung zu wehren.


Der wunderbar flüssige Schreib- und Erzählstil führte dazu, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Schön beschrieben war nicht nur die Landschaft und die vielen Buchten auf der Insel, sondern auch die Überfahrt nach auf eine Nachbarinsel und die Ankunft dort. Faszinierend war auch die Entwicklung der Ereignisse und die Beschreibung der vier Jungen. Immer wieder wird der Leser mit deren Gedanken konfrontiert, was das Nachvollziehen bestimmter Geschehnisse möglich macht.


Ich kann es kaum erwarten Teil zwei der Meerestrilogie zu lesen, da ich unbedingt wissen möchte, wie es mit Elodie und den anderen Figuren weiter geht. Besonders Gordeon fasziniert mich, da er erst am Ende des Buches mit auf den Plan gekommen ist und mein gesamtes Konzept des Buches durcheinander geworfen hat.

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Samstag, 25. Januar 2014

Am Ende der Treppe, hinter der Tür (Sabine Ludwig)




Rowohlt Taschenbuchverlag


Die Autorin


Sabine Ludwig wurde 1954 in Berlin geboren. Sie studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie und arbeitete nach dem Abschluss als Gymnasiallehrerin. Schnell wechselte sie zur Regieassistentin, wurde Pressereferentin und arbeitete als Rundfunk-Redakteurin. Sabine Ludwig veröffentlicht inzwischen vor allem Kinderbücher und ist für den Rundfunk und diverse Printmedien auch als freie Journalistin tätig. Sabine Ludwig lebt mit ihrer Familie in Berlin.


Am Ende der Treppe, hinter der Tür


Als die 16jährige Martha zufällig Ohrenzeugin eines Mordes wird, weiß sie nicht mehr weiter. Sie hätte in der Wohnung gar nicht sein sollen, alles nur wegen diesem dummen Kleid und dieser Theateraufführung, war doch alles Jills Idee. Als ihr junger Lehrer Alexander Miller ihr eine wichtige Rolle im englischen Theaterstück gibt, geht es für Martha ein wenig bergauf, wie lange ist sie schon in Miller verliebt? Das ist ihre Chance. Doch leider interessiert sich zuhause eher niemand wirklich dafür und immer noch sitzt ihr das schlechte Gewissen im Nacken, da sie wegen der Mordsache nicht zur Polizei gegangen ist. Da Martha sich in der Wohnung des neuen Freundes ihrer Mutter nicht wohl fühlt und genervt von dessen kleiner Tochter Penelope ist, beschließt sie sich dieses Wissen zu eigen zu machen und den Mörder zu erpressen. Denn sie braucht Geld für eine eigene Wohnung. Die Probleme zuhause häufen sich, doch der Mörder springt auf den Erpressungsversuch an…


Fazit


Als ich den Klappentext gelesen hatte und das Buch begann, war ich zunächst nicht überzeugt. Doch das Buch steigerte sich von Kapitel zu Kapitel. Der Schreib- und Erzählstil des Autors ist sehr ansprechend und einfach zu lesen. Allerdings finde ich, dass der Titel des Buches nicht wirklich zum Inhalt passt, denn die Treppe, um die es scheinbar geht, taucht erst am Ende des Romans auf und spielt bis dahin eher keine Rolle.


Anfangs war ich ziemlich genervt von Martha, aber auch von ihrer Mutter Constanze und der kleinen Schwester Poppy. Der einzige, der eine wirklich sympathische Person zu sein schien, war Johannes, der Vater von Poppy und neuer Freund von Constanze. Er kümmert sich wirklich rührend um Poppy und versucht auch an Martha heranzukommen. Sie lässt ihm jedoch keine Chance.

Genau anders herum erging es mir mit Jill, anfangs fand ich sie cool, sympathisch und interessant, später nervte sie mich nur noch. Nicht nur, dass sie auf Martha herum hacken musste, sie ätzte auch nur noch, nicht zuletzt mit ihrem Trip nach London. Ebenso verhielt es sich mit dem Inhalt des Buches. Martha tritt als eher an sich selbst zweifelndes und unzufriedenes Individuum auf, welches sich eher selbst im Weg steht. Nach und nach steigert sich jedoch die Handlung und Martha merkt, dass sie sehr wohl eine Rolle in der Familie spielt.


Als Poppy dann in großer Gefahr schwebt, wächst Martha über sich hinaus. Ein spannendes und berührendes Buch über Verlust, den Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen, Selbstzweifel und Familie.

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Freitag, 24. Januar 2014

iBoy (Kevin Brooks)





Deutscher Taschenbuch Verlag


Der Autor


Kevin Brooks studierte sowohl in London als auch in Birmingham und machte seinen Abschluss 1983 an der Universität Aston in Kulturwissenschaften. Sein Geld verdiente er jedoch lange Zeit mit Gelegenheitsjobs als Tankwart, Gehilfe im Krematorium oder Verkäufer im Londoner Zoo. Seit dem überwältigenden Erfolg seines Debütromans Martyn Pig lebt er als freier Schriftsteller in Manningtree im County Essex.


iBoy


Tom wächst bei seine Gram, wie er seine Großmutter nennt, in einer typischen Beton-Hochhaussiedlung auf. Zu viel Gewalt, zu viele Gangs, zu viele Drogen. Doch alles beginnt damit, dass Tom ein iPhone auf den Kopf fällt und das aus dem 30. Stock. Danach ändert sich sein Leben grundlegend. Scheinbar ist es den Ärzten nicht gelungen, alle Stücke aus seinem Kopf zu entfernen und nun entwickelt er ungeahnte Superkräfte, die ihn beflügeln. Denn er hat nur eins im Kopf: Rache. Für das, was Lucy und Ben passiert ist. Was täglich so vielen Leuten in der Siedlung passiert. Doch bald schwebt Tom selbst in tödlicher Gefahr.


Fazit


Tom der typische Antiheld? Er bezeichnet sich selbst nicht so, doch sieht sich auch nicht als Held. Was genau ist er? Er will Rache, soviel steht fest. Rache für das, was sie ihr angetan haben. Doch wie stellt er das an, ohne selbst zum Verbrecher zu werden. Doch nun hat er andere Mittel und Wege…


Ein berührendes, emotionales und gleichzeitig unglaublich spannendes Buch, welches von ersten Seite an überzeugt. Nicht nur der Schreib- und Erzählstil ist sehr ansprechend und flüssig, sondern auch die Hauptprotagonisten sind sehr sympathisch. Tom, der mit seiner Oma im Hochhaus wohnt, Lucy und Ben, die mit ihrer Mutter ebenfalls in diesem Haus wohnen. Und dann sind da noch die Gangmitglieder, die ebenfalls in diesem Haus wohnen und jeden Tag Leute tyrannisieren. Als Tom aus dem Koma erwacht und feststellt, dass für ihn nichts mehr so ist wie vorher, will er handeln. Er will Lucy helfen, doch kann er das überhaupt? Kann sich jemand wie Tom gegen die Übermacht der Gangs durchsetzen? Dazu kommt, dass die neuen Fähigkeiten, Tom sichtlich überfordern. Denn er weiß nun alles, über alle und jeden, wenn er will. Und nicht nur das, mit seiner Haut kann er sich gegen Angriffe wehren und Stromschläge verteilen. 


Was mir besonders gut gefallen hat, waren auch die einleitenden Abschnitte am Anfang jedes Kapitels. Immer lässt sich Kevin Brooks etwas Neues einfallen, um den Leser neugierig zu machen. Da gibt es kurze Artikel aus dem Internet, klare Definitionen von bestimmten Begriffen und Details über iPhones. Auch die Nummerierung des Kapitel ist speziell, denn sie sind mit Zahlen aus dem Dualsystem (0 und 1) gekennzeichnet.


Ich liebe die Bücher von Kevin Brooks, habe zum Beispiel auch „Lukas“ verschlungen und wurde auch von diesem Buch nicht enttäuscht. Die Spannung wurde bis zuletzt aufrecht erhalten und ich musste es an 2 Tagen durchlesen. 

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Montag, 20. Januar 2014

Tochter des Glücks (Lisa See)




C. Bertelsmann Verlag


Die Autorin


Lisa See ist, wie ihre Protagonistin Joy in „Tochter des Glücks“ eine Amerikanerin mit chinesischer Abstammung. Sie ist Journalistin und Kuratorin mehrerer großer Ausstellungen. Zudem hat sie schon viele internationale Bestseller verfasst und lebt derzeit mit ihrer Familie in Los Angeles. 


Tochter des Glücks


Als Joy erfährt, dass ihre Mutter nicht ihre Mutter und ihr Vater nicht ihr Vater ist, macht sie sich Hals über Kopf auf den Weg nach China, um dort ihren Vater zu finden. Über ihn weiß sie leider nur, dass er Maler ist, was die Suche nicht wirklich leichter macht. Zudem herrscht in China gerade eine große Kulturrevolution und die Chinesen lassen keine Einwanderer rein, die sich nicht als „Helfer beim Aufbau eines kommunistischen Staates“ ausweisen. Doch Joy zieht einen Schlussstrich unter ihr altes Leben, gibt ihren amerikanischen Pass ab und will in ihrer Heimat bleiben. Als sie erfährt, dass Z. G. in Ungnade gefallen ist und in eine abgelegene Provinz geschicjt wurde, um den Bauern dort Malunterricht zu geben, begleitet Joy ihn dorthin. Sie ist begeistert davon die kommunistischen Ideale zu verbreiten und zu leben. Doch sie macht einen entscheidenden Fehler, als sie einen Bauern, in den sie sich verliebt hat, heiratet. Diesen Fehler sieht sie jedoch viel zu spät…


Fazit


Ein spannendes und turbulentes Buch, welches mitten im Geschehen einsetzt. Die junge Frau Joy, die gerade erst ihr Studium abgeschlossen hat und bei ihrer vermeindlichen Mutter May und Pearl lebt, hat bereits erfahren, dass ihre Eltern nicht die leiblichen Eltern sind. Der Prolog und der Aufbruch nach Shanghai sind sehr spannend und mitfühlend geschrieben. Überhaupt ist der Schreib- und Erzählstil der Autorin sehr ansprechend. Sehr gut gefielen mir auch die unterschiedlichen Sichtweisen der Kapitel. Mal sind sie aus der Sicht von Joy und haben damit einen unübersehbaren ideologischen Aspekt und dann sind sie wieder aus der Sicht von Pearl, die Joy nach China gefolgt ist. In ihren Abschnitten schwingt immer wieder die Sorge um die junge Frau mit.


Die Hauptfigur Joy macht auf mich einen sehr sympathischen, aber zum Teil auch verwirrten Eindruck. Der überstürzte Aufbruch, bei welchem sie alle Mauern hinter sich abbricht und sowohl ihre Familie, als auch ihren Freund zurück lässt, kommt für mich zu schnell und unerwartet. Die Verhältnisse, die im China des Romans spielen, hätten mich sofort umdrehen lassen. Nicht nur, dass Joy viele Kontrollen über sich ergehen lassen muss und immer wieder beteuert, dass sie den Kommunismus in China mit aufbauen will, sie muss auch ihren amerikanischen Pass abgeben. Das bedeutet, dass sie nicht so schnell nach Amerika zurück kann. Als Mao die Grenzen verschließt, gibt es gar kein Zurück mehr. Z.G. wiederum ist mir wenig sympathisch, er freut sich nicht wirklich, dass er „nun“ eine Tochter hat, im Gegenteil. Für ihn ist wichtig, dass sie malen kann und dem Kommunismus helfen will. 


Ein sehr authentischer, abenteuerlicher und atemberaubender historischer Roman, der trotz seiner vielen politischen Aspekte, mit einer Masse von Emotionalität aufwartet.

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